Warndienst-Meldung Nr. 07 vom 27.04.2022

Winterraps
Vielerorts stellt sich nun im Zeitraum der Blüte die Frage nach einer Fungizidbehandlung gegen Sklerotinia (Weißstängeligkeit). Liegt der Anbau einer Sklerotinia-anfälligen Kultur (z.B. Raps, Soja, Erbsen, Ackerbohnen, Kartoffeln, Sonnenblumen) 4 oder mehr Jahre zurück kann in der Regel auf eine Behandlung verzichtet werden. Bei einer engeren Fruchtfolge zeigen die Prognosemodelle derzeit ansteigende Infektionsgefahr. Nutzen Sie in diesem Fall die schlaggenaue Sklerotinia-Prognose unter https://www.isip.de/isip/servlet/isip-de. Eine Anmeldung und Nutzung ist für Betriebe in Baden-Württemberg kostenlos. Zur Behandlung in Schutzgebieten (Landschafts-, FFH-, Vogelschutzgebiete, …) ist neben der Warndienstnutzung auch die Nutzung eines Prognosemodells notwendig. Bei Bedarf stehen verschiedene Mittel zur Verfügung, z.B. Aziza, Cantus Gold, Propulse, Zenby flex. Zur Reduzierung von Durchfahrtsverlusten und zum Schutz von Honigbienen und anderen Nützlingen sollten alle Mittel nur in den Abendstunden eingesetzt werden.

Eine Insektizidmaßnahme gegen Schotenschädlinge ist in unserem Gebiet meist nicht notwendig.  

Wintergerste
Frühe Bestände haben schon das Fahnenblatt geschoben. Auf den unteren Blattetagen finden sich vereinzelt Infektionen mit Netzflecken oder Rhynchosporium, aber meist nicht behandlungswürdig. Zur Behandlung der bei uns in den letzten Jahren vorherrschenden Krankheit Ramularia stehen dieses Jahr auch wieder die Mittel Folpan und Amistar Max per Notfallzulassung zur Verfügung. Der enthaltene Wirkstoff Folpet brachte in den Versuchen eine Wirkungsverbesserung. Eine Vorgabe der Notfallzulassung ist die Kombination mit den Wirkstoffen Prothioconazol (z.B. in Ascra Xpro, Elatus, Era, Traciafin, etc.) oder Mefentrifluconazol (Markenname Revysol, z.B. in Balaya, Revytrex). In den letzten Jahren waren Behandlungen um BBCH 49 (Pinselstadium) am erfolgreichsten gegen Ramularia und andere Blattkrankheiten. Wenn auf den unteren Blattetagen schon Krankheiten in bekämpfungswürdigem Umfang auftreten kann aber auch schon ab BBCH 39 die Einmalbehandlung erfolgen. Der Bekämpfungsrichtwert laut Leitline für den Integrierten Pflanzenschutz im Getreidebau (https://www.nap-pflanzenschutz.de/fileadmin/SITE_MASTER/content/IPS/Integrierter_Pflanzenschutz/Leitlinien_IPS/Getreide.pdf) für Netzflecken liegt z.B. bei 20% befallenen Pflanzen. Ermittelt wird er an den 3 obersten Blättern anhand einer Linienbonitur im Bestand (5 Pflanzen an mind. 5 Stellen alle 20 Schritte). 

Soja
Bei schon erfolgter Aussaat kann die derzeit vorhandene Bodenfeuchtigkeit oder möglicher Regen am Wochenende bei Befahrbarkeit der Flächen für Vorauflaufbehandlungen genutzt werden. In den vergangenen Jahren haben sich Artist (1,5 – 2kg/ha) oder die Kombination aus Sencor liquid + Spectrum + Centium als breitwirksame Mischung bewährt. Weitere Möglichkeiten finden sich auf S. 68 im Heft „Integrierter Pflanzenschutz 2022“. Bitte beachten, dass der enthaltene Wirkstoff Metribuzin nicht in allen Sorten verträglich ist. 

Auch Blindstriegeln ist eine effektive Methode, allerdings dürfen die Keimlinge der Sojapflanzen nicht beschädigt werden. Wenn die Böden abgetrocknet und wieder schüttfähig sind sollten die Keimlinge noch mindestens 2 cm tief im Boden sein damit sie nicht beschädigt werden.

Wenn die Aussaat noch ansteht muss auf eine ausreichende Abtrocknung der Böden gewartet werden um Verdichtungen zu vermeiden.

Mais
Ähnlich wie bei Soja kann bei schon erfolgter Aussaat eine Vorauflaufbehandlung in Betracht gezogen werden. Es stehen verschiedene Mittel zur Auswahl, z.B. Activus SC / Stomp, Spectrum, Adengo, Quantum. Die Wirkung auf Unkräuter können Sie auf S. 76 der Broschüre „Integrierter Pflanzenschutz 2022“ entnehmen.

Wenn noch keine Aussaat erfolgt ist, kann gekeimtes Unkraut nach einer Abtrocknung der Böden mechanisch vor der Saat bekämpft werden.

Sonstiges
Versuchsfeldführung mit Schwerpunkt Pflanzenschutz
Mittwoch, 04. Mai 2022, um 10 Uhr in Gäufelden-Tailfingen

Achten Sie auf die Gewässerabstände der eingesetzten Mittel. Verschiedene Mittel haben auch bei 90% Abdriftminderung noch Gewässerabstände von 10m oder 20m. Prüfen Sie hierzu die aktuelle Gebrauchsanleitung der Mittel. 

Gez. Lohrer

 

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